Methodik
Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) legt seiner Forschung eine qualitative Konflikt- bzw. Kriegsdefinition zugrunde. Krieg und weniger intensive Gewaltformen werden anhand der tatsächlich beobachtbaren Gewalt klassifiziert, und nicht aufgrund der Anzahl von Todesopfern. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass auch über den historischen Wandel des Konfliktaustrags hinweg das jeweilige Konfliktgeschehen erfasst und vergleichbar bleibt. Für die Einstufung der beobachteten Konflikte in die jeweilige Intensität ist die Art, Dauer und Häufigkeit der eingesetzten Maßnahmen im Konfliktaustrag entscheidend. Diese werden in der Datenbank KOSIMO/CONIS erfasst, codiert und dem jeweiligen Akteur zugeordnet. In den vergangenen Jahren hat sich der Blickwinkel auf das internationale Konfliktgeschehen stark verändert. Galten jahrelang die zwischenstaatlichen Kriege als wichtigstes Objekt der Konfliktforschung, so rücken nun die wesentlich zahlreicheren innerstaatlichen Konflikte in den Vordergrund. Um damit zusammenhängende neue Forschungsfragen fundiert beantworten zu können, haben wir unseren methodischen Ansatz im Jahr 2003 erweitert.
Erweiterung der Konfliktdefinition
Da eine Vielzahl von Konflikten in schwachen oder bereits zusammengebrochenen Staaten zu beobachten ist, die nicht in der Lage sind, mit eigenen Truppen in den Konflikt einzugreifen, hat das HIIK erstmals seit 1991 die Konfliktdefinition erweitert. Erfasst werden politische Konflikte ab sofort auch dann, wenn die Staatsmacht nicht als Konfliktpartei beteiligt ist. Entscheidend bleibt der nationale Wert der Konfliktgegenstände.
Erweiterung der Intensitätenskala
Um die Besonderheiten des Gewaltaustrags und die Eskalations- und Deeskalationsdynamiken von innerstaatlichen Konflikten genauer abbilden zu können, hat das HIIK die Anzahl der Intensitätsstufen erweitert: ab sofort geben anstatt vier nun fünf Stufen die Intensität des Konfliktes an. Um den Übergang vom gewaltlosen zum gewaltsamen Austrag besser unterscheiden zu können, wurde eine Zwischenstufe eingerichtet, in der vereinzelte oder zeitlich begrenzte Gewaltakte wie bei Ausschreitungen, Putschen oder Terroranschlägen erfasst werden. Die folgende Tabelle zeigt das Spektrum der erweiterten Intensitätenskala, nennt beispielhaft Ereignisse, die dem jeweiligen Niveau zugeordnet werden und vergleicht diese mit der bisherigen Einteilung.
Erweiterung der Konfliktgegenstände
Auch im Bereich der Konfliktgegenstände wurde eine Modifikation vorgenommen. Anstatt bisher maximal drei kann nun eine unbeschränkte Anzahl beobachtbarer Konfliktgegenstände angegeben werden. Die bisherigen Konfliktgegenstände Territorium, Dekolonisation/ Sezession, Autonomie, Ideologie/System, Nationale Macht, Internationale Macht und Ressourcen haben wir ausdifferenziert, so dass beispielsweise unter der Kategorie Ressourcen genau unterschieden wird, welche Art von Ressource (Öl, Diamanten, Wasser usw.) umstritten ist. Der Konfliktgegenstand Regionale Vorherrschaft wurde neu aufgenommen. Er bezeichnet Konflikte, in denen eine innerstaatliche Gruppierung ein Gebiet unter seine Kontrolle zu bringen versucht, ohne dass hierbei das Ziel der Machtausübung über den Gesamtstaat (Nationale Macht) oder das eines eigenen Staatsaufbaus (Sezession) formuliert oder verfolgt wird.
Entwicklung von KOSIMO 2.0/CONIS
Um die Anzahl der beschreibenden Variablen zu vergrößern, die Konfliktverläufe exakter abzubilden und nicht zuletzt um die Auswertungsmöglichkeiten zu verbessern, wurde KOSIMO auf ein relationales Datenbanksystem umgestellt. Dies erlaubt uns, künftig eine unbegrenzte Menge an Daten zu Konflikten und beteiligten Akteuren zu erfassen. Ergänzungen und Erweiterungen können jederzeit hinzugefügt werden. Durch die Verknüpfung von beispielsweise Konfliktverlaufs- und Staatsstrukturdaten können umfangreiche Analysen durchgeführt werden, die neue Einblicke in Bestimmungsfaktoren für Konfliktdynamiken erlauben.